CARAVAGGIO\u00A0–\u00A0BERLINDE DE BRUYCKERE

11. – 25. September 2026, Italienische Botschaft in Berlin. Eintritt frei, Anmeldung erforderlich.

Caravaggio × Berlinde De Bruyckere — Embassy of Italy, Berlin, 11 to 25 September 2026

Die Ausstellung

Offsite Arts präsentiert in Partnerschaft mit der Italienischen Botschaft in Berlin die erste Ausgabe einer neuen internationalen Ausstellungsreihe, die seltene historische Meisterwerke mit renommierten zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern an außergewöhnlichen Orten zusammenbringt. Die erste Präsentation, kuratiert von Tjioe Meyer-Hecken und Felipe Schwager, bringt Michelangelo Merisi da Caravaggios Maria Magdalena in Ekstase (um 1606) erstmals öffentlich nach Deutschland — gezeigt neben einer neu in Auftrag gegebenen Arbeit von Berlinde De Bruyckere.

Die Skulptur

Die neue Arbeit, die Berlinde De Bruyckere für die Offsite-Arts-Präsentation geschaffen hat, führt einen weiblichen Körper und eine Engelspresence zu einer einzigen Form zusammen. Die Figur liegt auf einem Sockel, doch anders als die Stille der vorausgehenden Serie Liggende Arcangeli ist der Körper in Aufruhr: Füße, die sich umklammern, angespannte Beine, ein verdrehter Rücken, eine Schulter, die sich wie die Maria Magdalenas in Caravaggios Gemälde nach vorn drängt.

Der Sockel selbst ist Teil dieser Unruhe. Das gleiche Linoleum, das bereits in Liggende Arcangelo III (2023) erschien, wurde zerrissen, verdunkelt und in Falten gelegt, bis es schwerem Stoff gleicht — der Art drapierten Gewands, die Caravaggio malte — und zugleich an die Überreste einer zerstörten Oberfläche erinnert. Dunkle Fetzen bedecken die Oberseite des Sockels und verstärken das Gefühl von Ruin und Katastrophe. Die Skulptur schlägt eine direkte Verbindung zwischen dem intimen Körper und der Gewalt der jüngeren Geschichte.

Die Haut der Figur trägt diese Not in ihren Details. Dunkle Blutergüsse markieren die Fersen, ein kleines, aber verheerendes Zeichen eines lang erlittenen Weges, als hätte man den Körper bis an die Grenze der Ausdauer geschleift.

Besucherinformationen

  • Zeitraum: 11. – 25. September 2026
  • Eröffnungsabend: 11. September 2026, 18:00 – 21:00
  • Öffnungszeiten an ausgewählten Tagen: 12. September 14:00 – 16:00; 13., 14., 15., 16., 17., 22. und 25. September 11:00 – 12:00; 18. September 17:00 – 18:00
  • Ort: Italienische Botschaft in Berlin, Hiroshimastraße 1, 10785 Berlin
  • Eintritt: frei, mit vorheriger Anmeldung — eine Anmeldung pro Person
  • Ausweis: Bitte bringen Sie einen amtlichen Lichtbildausweis mit, da die Ausstellung in einer diplomatischen Vertretung stattfindet

Die Plätze sind begrenzt und werden pro Tag freigegeben. Reservieren Sie einen Termin auf der Buchungsseite; die Bestätigung erfolgt per E-Mail. Fragen zu einer bestehenden Reservierung: berlin@offsitearts.com.

Das Gemälde

Maria Magdalena in Ekstase entstand um 1606, in dem Jahr, in dem Caravaggio nach dem Tod von Ranuccio Tommasoni aus Rom floh. Das Bild gehört zur späten, radikal reduzierten Phase seines Werks: eine einzelne Figur, die aus dem Dunkel auftaucht, den Kopf zurückgeworfen, die Hände lose gefaltet, ohne Attribute und fast ohne Raum. Das Thema ist keine Erzählung, sondern ein Zustand, in dem Verzückung und Ekstase nicht mehr zu trennen sind.

Die Komposition gehörte zu den am häufigsten kopierten Werken Caravaggios; Versionen zirkulierten im 17. Jahrhundert weit. In Berlin wird die Arbeit erstmals öffentlich in Deutschland gezeigt.

Historischer Kontext

Caravaggio (1571–1610) arbeitete an der Schwelle, an der das Renaissance-Ideal in den Barock übergeht. Er malte nach dem Modell, in starkem gerichtetem Licht, und gab heiligen Themen die Körper und Gesichter gewöhnlicher Menschen. Diese Hinwendung der italienischen Malerei zur sichtbaren Welt prägte die europäische Kunst des folgenden Jahrhunderts, von Artemisia Gentileschi bis Rembrandt und den Utrechter Caravaggisten.

Zeitgenössischer Kontext

Die belgische Künstlerin Berlinde De Bruyckere, vertreten durch Galleria Continua und Hauser & Wirth, geboren 1964 in Gent, wo sie lebt und arbeitet, schafft Skulpturen, die den Körper, Verletzlichkeit und Transzendenz untersuchen. In ihrer Arbeit mit Materialien wie Wachs, Tierhaut, Textilien, Holz und Metall greift sie auf religiöse Ikonografie, Mythologie und die flämische Renaissance-Tradition zurück. De Bruyckere schloss 1986 ihr Studium an der LUCA School of Arts in Gent ab und erhielt 1989 den Young Belgian Art Prize. Ihr Werk wurde international präsentiert, unter anderem in der Tate Modern und im Centre Pompidou, und sie vertrat Belgien 2013 auf der 55. Biennale von Venedig. Zuletzt präsentierte sie City of Refuge III in der Kathedrale Abbazia di San Giorgio Maggiore während der 60. Biennale von Venedig 2024.

Berlin Art Week

Die Ausstellung eröffnet im Zeitraum der Berlin Art Week 2026; die ersten Tage — 11., 12. und 13. September — sind im Buchungskalender entsprechend markiert. Für diese Termine sind die Plätze zuerst vergeben.

Offsite Arts

Offsite Arts ist eine unabhängige, nomadische Kunstinstitution, die sich der Transformation ungewöhnlicher und sonst unzugänglicher Räume in temporäre Orte für Ausstellungen, Performances und Diskurs widmet. Gegründet von Felipe Schwager und Tjioe Meyer-Hecken, konzentriert sich Offsite Arts auf die Schaffung intimer, experimenteller und hochwertiger Kontexte für zeitgenössische Kunst, oft in Zusammenarbeit mit bedeutenden Institutionen und Künstlern. Zu den vergangenen Projekten gehörten Ausstellungen und Performances mit unter anderem Salomé Chatriot, Göksu Kunak, Young Boy Dancing Group, Nina Kraviz und LABOUR.