Die Künstlerin
Die belgische Künstlerin Berlinde De Bruyckere, vertreten durch Galleria Continua und Hauser & Wirth, geboren 1964 in Gent, wo sie lebt und arbeitet, schafft Skulpturen, Zeichnungen und in situ Installationen, die den Körper, Verletzlichkeit und Transzendenz untersuchen. In ihrer Arbeit mit Materialien wie Wachs, Tierhaut, Textilien, Holz und Metall greift sie auf religiöse Ikonografie, Mythologie und die flämische Renaissance-Tradition zurück, doch diese Quellen sind nur ein Teil ihrer Inspiration. Die Bilder, denen sie täglich in Zeitungen begegnet – vom aktuellen, tumultartigen Zustand der Welt –, sind gleichermaßen wichtig und überraschend eng mit diesen anderen Quellen verbunden. De Bruyckere schloss 1986 ihr Studium an der LUCA School of Arts in Gent ab und erhielt 1989 den Young Belgian Art Prize. Ihr Werk wurde international präsentiert, unter anderem im MoMA, im Metropolitan Museum of Art, in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, im MOCO Montpellier, im KUB Bregenz und in der Maison Rouge, und sie vertrat Belgien 2013 auf der 55. Biennale von Venedig. Zuletzt präsentierte sie City of Refuge III in der Kathedrale Abbazia di San Giorgio Maggiore während der 60. Biennale von Venedig 2024.
Die neue Arbeit
Die neue Arbeit, die Berlinde De Bruyckere für die Offsite-Arts-Präsentation geschaffen hat, führt einen weiblichen Körper und eine Engelspresence zu einer einzigen Form zusammen. Die Figur liegt auf einem Sockel, doch anders als die Stille der vorausgehenden Serie Liggende Arcangeli ist der Körper in Aufruhr: Füße, die sich umklammern, angespannte Beine, ein verdrehter Rücken, eine Schulter, die sich wie die Maria Magdalenas in Caravaggios Gemälde nach vorn drängt.
Der Sockel selbst ist Teil dieser Unruhe. Das gleiche Linoleum, das bereits in Liggende Arcangelo III (2023) erschien, wurde zerrissen, verdunkelt und in Falten gelegt, bis es schwerem Stoff gleicht — der Art drapierten Gewands, die Caravaggio malte — und zugleich an die Überreste einer zerstörten Oberfläche erinnert. Dunkle Fetzen bedecken die Oberseite des Sockels und verstärken das Gefühl von Ruin und Katastrophe. Die Skulptur schlägt eine direkte Verbindung zwischen dem intimen Körper und der Gewalt der jüngeren Geschichte.
Die Haut der Figur trägt diese Not in ihren Details. Dunkle Blutergüsse markieren die Fersen, ein kleines, aber verheerendes Zeichen eines lang erlittenen Weges, als hätte man den Körper bis an die Grenze der Ausdauer geschleift.
In Berlin sehen
Die Arbeit ist in Caravaggio × Berlinde De Bruyckere zu sehen, 11. bis 25. September 2026. Der Eintritt ist frei, eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.